Gedenken ernst nehmen – Demokratie leben

Veröffentlicht am 15.07.2015 in Presse

Die aktuelle Debatte im Heuchelheimer Parlament über die Form des Erinnerns an die von den Nationalsozialisten ermordeten Mitbürger geht an der Sache weitestgehend vorbei, findet der SPD Fraktionsvorsitzende Benjamin-Sebastian Unverricht. Die Koalition hat bekanntlich beantragt, Entwürfe für ein Mahnmal auf dem Platz am alten Rathhaus einzuholen. Die Grünen haben den Alternativantrag eingebracht, Stolpersteine zu verlegen. Beide Seiten betonen die Notwendigkeit, der schrecklichen Verbrechen des Nationalsozialismus auch in Heuchelheim zu gedenken und beteuern, dass ihr Vorschlag dazu jeweils am besten geeignet ist.

Weshalb dabei zwei Ideen in Konkurrenz gebracht werden und sich die Protagonisten offensichtlich unversöhnlich gegenüberstehen, erschließt sich der SPD auch nach den Diskussionen der Ausschüsse nicht. Auch in Heuchelheim lassen sich die Spuren nationalsozialistischer Verbrechen finden. Neben jüdischen Mitbürgern, die aus ihrer Heimat verschleppt und schließlich in den Konzentrationslagern ermordet wurden, finden sich auch Opfer der „Aktion T 4“, besser bekannt als Euthanasie, der Ermordung behinderter Menschen. „Die Debatte über die vermeintlich beste Form des Gedenkens ist absurd“ findet Unverricht. „Es ist der Sache weder würdig noch dienlich, wenn das Gedenken gegenüber dem Streit, welche künstlerische Ausprägung es erfahren soll, in den Hintergrund gerät“, so der SPD Fraktionsvorsitzende weiter. Über Kunst ließe sich ohnehin nicht streiten. Nichts spricht dagegen, beide Varianten umzusetzen. Der SPD ist aber etwas ganz anderes wichtig: Es darf nicht dabei bleiben, sich zu erinnern und Mahnmale zu setzen. „Weder Steine noch Stelen werden unsere Demokratie verteidigen. Es ist die Aufgabe eines jeden Einzelnen von uns, unsere freiheitliche Grundordnung in Worten und Taten zu leben!“ ist Unverricht überzeugt. Die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten muss zugleich Ansporn sein, ein solches Unrecht nie wieder zuzulassen.

Für die SPD gibt es deshalb kein Entweder Oder. Vielmehr muss sich die Gemeinde aber auch des Auftrages annehmen, den die Opfer gemahnen: Durch Information und politische Bildung auf allen gesellschaftlichen Ebenen müssen die Mechanismen ins Bewusstsein gerückt werden, die das mörderische Regime überhaupt erst entstehen und mächtig werden ließen. Allzu leicht wird das demokratische Gewissen dadurch beruhigt, dass fast schon ritualisiert zu Jahrestagen des Schreckens eine sühnevolle Rede gehalten, ein neues Denkmal eingeweiht wird. Allzu leicht wird dabei übersehen, dass das Erinnern allein keine Antwort darauf gibt, wie aktuelle Fragen beantwortet werden sollen, die ganz konkrete Herausforderungen für die Demokratie bedeuten. Pegida und das kurzfristige Hoch der AfD haben gezeigt, dass es auch und gerade heute ein nicht unerhebliches Potenzial rechts außen gibt. Die Frage, wie unsere Gesellschaft auf die derzeit hohen Flüchtlingszahlen reagiert, stellt sich bereits in vielen Gemeinden und bald auch in Heuchelheim. Doch nicht nur der sogenannte rechte Rand muss im Auge behalten werden. Eine Bereitschaft zur Radikalisierung besteht genauso in Teilen nicht-deutscher Bevölkerungsgruppen. Hier und nicht in dem Streit über das „Wie“ des Gedenkens sieht die SPD die Aufgaben der Zukunft. Und genau hier erwartet die SPD die Zusammenarbeit und das Zusammenstehen aller demokratischen Parteien.

  

Benjamin-Sebastian Unverricht

-Fraktionsvorsitzender-